Also wer mir ja momentan echt leid tut, das ist der kleine Simon.
So wie sich sein Leben momentan entwickelt, ist es nämlich fast schon vorprogrammiert, dass er so in 20-30 jahren bestenfalls beim Psychiater auf der Couch landen und dort anschließend auch noch sehr, sehr lange bleiben wird. Und das ganz ohne sein eigenes Verschulden.
Denn der arme Junge muss ja momentan wirklich den Eindruck bekommen, dass ihn alle "echten" Kerle in seinem Münchner Umfeld meiden wie die Pest. Sei es, dass die ihm zwar wohlgesinnt sind, aber leider durch Alter, Krankheit und nicht zuletzt durch eine eifersüchtelnde Ehefrau daran gehindert sind, mit ihm eine Nacht im Indianerzelt zu verbringen. Sei es, weil er vom türkischstämmigen Nachbarn und dessen verzogenem Stiefsohn geprüft und als zu leichtgewichtig befunden wurde, um bei deren einsamen Ballduellen weiterhin mitmischen zu dürfen. Oder sei es, weil sich die Männerwelt bei ihm zunächst mit Abenteuern im Feuerwehrwagen beliebt macht ... aber dann halt doch in erster Linie nicht seinetwegen, sondern bloß, um bei seiner leckeren Mama einen wegstecken zu können, nachdem die irgendeinem beliebigen Kerl schöne Augen gemacht hat. Insofern will ich auch gar nicht mal so hart über diesen Chris urteilen. Der ist ja dann wohl trotz Feuerwehr doch nicht so ganz der Heilige, den Tanja vor ihrem geistigen Auge gesehen hat, sondern bloß ein stinknormaler mittelalter Single mit Fast-Vollglatze und Bedürfnissen wie jeder andere Hetero auch.
Heutzutage sind sogenante "Patchwork-Familien" ja wohl eher die Regel als die Ausnahme.
Insofern will ich wahrscheinlich gar nicht wissen, wie viele Beziehungen es da draußen gibt, die auf derselben Basis funktionieren wie es sich zwischen Tanja und Chris angebahnt hat. Bloß dass es IRL die jungen Mütter - im Gegensatz zur "blöden" Tanja - "versäumt" haben, dem Typen gleich beim 1. Date zu verklickern, dass sie im Grunde genommen selbst gar keinen Bock auf ihn haben, sondern bloß jemanden suchen, den sie sich für irgendwelche Zwecke zunutze machen können. Wobei ich Tanja mit ihren Erfahrungen als Edelprostituierte durchaus etwas weniger Plumpheit zugetraut hätte. Man bedenke nur, wie leichtfertig und gekonnt die Frau einst den armen Sarikakis senior um den Finger gewickelt und ihn kaltblütig in den finanziellen, psychischen und letztlich auch physischen Ruin getrieben hat. Also: Sie hat's doch drauf, Männer um den Finger zu wickeln und für ihre Zwecke nutzbar zu machen!! Und damals ging es ihr lediglich um sowas Billiges wie Luxus und schnöden Mammon.
Aber jetzt, nachdem Tanja wie eine Löwenmutter für ihr Kind kämpft, für das sie nach eigener Aussage "alles tun" würde (eine Motivation, die ich ihr durchaus abkaufe), nachdem sie bereit ist, für das Wohl ihres Kindes persönliche Abstriche bis zur Sebstaufgabe in Kauf zu nehmen und nachdem sie den Hauptgewinn quasi an der Angel hat und ihn nur gekonnt an Land zu ziehen bräuchte ... da besinnt sie sich natürlich plötzlich auf ihre wahre sexuelle Bestimmung und eröffnet dem zuvor erfolgreich heiß gemachten Feuerwehrmann freimütig, dass sie ihn ebensowenig attraktiv findet wie jeden anderen Mann, sondern dass sie ihn nur als guten Freund für sich und als Kumpel für ihren Sohn brauchen kann ... brutal formuliert: als nützlichen Idioten.

Eigentlich hätte dieses Bekenntnis von Tanja ja schon fast was Heroisches ... wenn, ja wenn's nicht ein weiteres Mal astrein auf Kosten ihres Sohnes ginge!
Die Figur Suzanne habe ich während ihrer aktiven Zeit ebenso "lieb" gewonnen wie wohl der Großteil der Zuschauer, nämlich gar nicht. Von "Papa" Kajetan ganz zu schweigen. Der ist ja eh nur ein bis zweimal in Erscheinung getreten und dann auch nur als gewiefter Winkeladvokat mit ner komischen Brille. Nicht unbedingt ideale Voraussetzungen, um sich als Sympathieträger zu etablieren.
Und trotzdem würde ich es Simon zwecks Schadensbegrenzung fast schon wünschen, dass er so schnell wie möglich nach Leipzig umziehen darf, wenn man ihn dort haben will. Besser als Kinderheim wäre das allemal. Denn was hat er denn schon in München. Da hat er eine Mutter, die ihn u.a. in eine Psycho-Sekte mitgeschleift hat, weil sie zuallererst sich selbst verwirklichen wollte, und die sich ihm jetzt auf Deibel komm raus anbiedert ... teils vielleicht, weil sie ein schlechtes Gewissen hat, vor allem aber, weil sie ihrer Ex und deren Lebensgefährten den Jungen nicht gönnt. Selbst Tanjas Äußerung, sie würde für Simon "alles tun", hat sich ja letztlich auch als pures Lippenbekentnis erwiesen, weil sie sich in letzter Sekunde einen Rückzieher geleistet hat.
EINSCHUB:
Solch ein Satz wie
"Du bist so widerlich!" ist leicht dahingesagt, sofern er gegen jemanden gerichtet ist, mit dem man nicht groß zu tun hat. Betrifft solch eine Äußerung hingegen jemand sehr, sehr Nahestehenden, dann braucht es oft Jahrzehnte therapeutischer Begleitung, um das so formulieren zu können. Und auch wenn solche Äußerungen, letztlich ausgesprochen, objektiv gesehen ganz klar auf der Hand liegen - wie etwa im Fall Tanja und Simon -, so ist das Aussprechen derselben doch alles andere als eine Garantie dafür, dass es irgendjemandem anschließend auch nur um einen Deut besser geht. Ganz im Gegenteil ...
[/]
Und was die männlichen Vorbilder betrifft, nach denen Simon ja wohl momentan geradezu dürstet ... okay, Carsten kann zumindest auf 2 Fingern pfeifen. Der hat seinen O-Saft aber auch nur halb ausgetrunken, nachdem Tanja und Co drauf angestoßen haben, von jetzt ab gemeinsam die Patenschaft für Simon zu übernehmen. Und was könnte Simon schon lernen von Lotti oder von Käthe (mit dem er ja im übrigen in dessen Funktion als "Kindergeärtnerin" wohl eh zu tun hate, seitdem er denken kann, dem er aber dennoch Erich Schiller als männliche Bezugsperson vorgezogen hat) ... außer Sekt zu trinken, sich weng nett zurecht zu machen und "Stößchen" zu sagen ...

Fehlt bloß noch, dass die Simon irgendwann demnächst darüber aufklären, dass er nicht auf dieselbe Weise gezeugt wurde wie die meisten seiner Altersgenossen, sondern dass er aus der Retorte stammt und dass außer irgendwelchen Laboranten niemand weiß, wer sein genetischer Erzeuger ist.

Das ist ganz gewiss die ideale Basis für eine positive und gesunde Entwicklung.
FAZIT:
Diese Story um Tanja und ihren Sohn ist definitiv sehr konstruiert und an den Haaren herbeigezogen.
Außerdem transportiert sie m.E. eine gewisse ideologische Stoßrichtung, über die sich durchaus streiten lässt.
Aber gerade das macht es doch erst recht spannend!!!
Oder?